Frau sein

9 Tipps für eine sanfte zweite Zyklushälfte

Im ersten Teil dieser zweiteiligen Serie rund um den Menstruationszyklus habe ich dich bereits in das Geheimnis der Monatsblutung eingeweiht. Im zweiten Teil geht es schwerpunktmäßig um die zweite Zyklushälfte. Du erfährst, was die tiefere Bedeutung dieser Phase ist und bekommst Tipps an die Hand, mit denen du dich in dieser Zeit sanft stärken kannst.

Als Menschen sind wir Teil der Natur. Besonders wir Frauen erleben im monatlichen Zyklus diese Verbundenheit. So wie der Mond zu- und wieder abnimmt, das Jahr sich wandelt und in regelmäßiger Wiederkehr Sommer und Winter sich abwechseln, so erleben wir Monat für Monat das Kommen und Gehen unserer Blutung. Dazwischen liegt ein Prozess mit zwei verschiedenen Qualitäten: Die erste Phase, in der wir meist voller Energie sind und die zweite Phase, in der wir uns eher zurückziehen wollen und emotional häufig dünnhäutig sind.

Warum die zweite Zyklushälfte wichtig ist 

In unserer westlichen Kultur können wir mit dieser zweiten Phase meist wenig anfangen. Eher geht es darum, voranzuschreiten, gleichmäßig belastbar zu sein, im schlimmsten Fall zu „funktionieren“ und Gefühle „außen vor zu lassen“, in dem Wissen, in der noch häufig von Männern dominierten Arbeitswelt deshalb insgeheim belächelt zu werden. 

Was wir dabei übersehen, ist die Notwendigkeit dieses Gleichgewichts von Auf- und Abbau, von „nach außen gehen“ und „sich nach innen wenden“. Die Folgen einer einseitigen Betonung und gleichzeitigen Unterdrückung der anderen Seite sind langfristig physische oder psychische Krankheiten. Spätestens in den Wechseljahren fordert der Körper vehement Aufmerksamkeit. Und, was vielleicht noch viel bedeutsamer ist: wir schneiden uns dadurch von uns selbst ab, von unserer „inneren Stimme“, unserem „Kompass“, der uns hilft, unsere Wahrheit zu erkennen und uns in Krisen hilfreich zur Seite stehen kann.

So gehst du sanft durch die dunkle Zeit

Fang heute damit an, dein Leben in die Balance zu bringen! Tu dir Gutes und versuche, die zweite Zyklushälfte und die Zeit der Blutung in Zukunft auf neue, gesündere und vor allem dich stärkende Art und Weise zu nützen! Verbinde dich mit dir selbst und erlaube der „magischen Kraft“ in dir zu wirken, damit ans Licht kommen kann, was sonst im „Dunkeln“ liegt!

  1. Beginne damit, regelmäßig in der zweiten Zyklushälfte deine Aufmerksamkeit von außen abzuziehen. Dein Fokus sollte jetzt mehr darauf liegen, Vergangenes zu reflektieren, zu prüfen, was davon Bestand hat und wo es Veränderung braucht. Greife eventuell Liegengebliebenes auf und bring es zu Ende. Dadurch wird Raum frei für Neues!
  1. Räume dir selbst Zeiten des Rückzugs ein, in denen du bewusst auf Kontakte und Ablenkung verzichtest. Du musst in dieser Zeit nicht zum Einsiedler werden. Wenn du jedoch öfter auch einmal allein Zeit mit dir verbringst, ist es für deine „innere Stimme“ leichter, sich Gehör zu verschaffen. Im Vergleich zu den Geräuschen der äußeren Welt ist sie eher leise und wird daher oft überhört. Wenn dir so ein Rückzug schwer fällt, überfordere dich nicht! Beginne langsam, so, dass es sich für dich noch gut anfühlt, aber doch einen Unterschied zu dem Gewohnten macht. Wichtig ist die Beständigkeit!
  1. Lege dir ein Notizbüchlein neben dein Bett und notiere Träume oder Gedanken, gleich in der Nacht oder kurz vor dem Aufstehen. In der zweiten Hälfte des Zyklus träumen wir häufiger und lebhafter, die Grenze zwischen dem Bewussten und Unbewussten, dem Sichtbaren und Unsichtbaren ist viel durchlässiger. Es ist nicht unbedingt notwendig, dass du aus deinen Träumen „Handlungsanweisungen“ ableitest oder, dass du krampfhaft versuchst, die Botschaft zu verstehen. Allein, dass du dir und deinen Träumen und Gedanken Aufmerksamkeit zeigst, macht schon den Unterschied. 
  1. Schreibe Tagebuch. Frage dich, was in deinem Leben richtig läuft und was falsch. Notiere alles, was dir in den Sinn kommt, ohne es gleichzeitig zu „bewerten“. Lass es aus dir herausfließen, so wie es kommt, ohne Punkt und ohne Komma. Manchmal genügt es, Gedanken und Gefühle lediglich zum Ausdruck zu bringen. Oft tritt Erleichterung ein, weil etwas „da sein“ darf, „gesehen“ wird. Ein anderes Mal wirst du beim Schreiben eine zunehmende Klarheit spüren, wo dein Weg hinführt oder wo er nicht mehr weiter geht. 
  1. Finde eine Form der Meditation, der Entspannung, die dir entspricht und praktiziere diese regelmäßig, besonders in dieser reflexiven Phase. Vielleicht tut es dir gut, mit einer Tasse Tee an deinem Lieblingsplatz zu sitzen und in den Garten zu schauen. Oder du betrachtest lieber ein Bild, dass dich emotional anspricht und in das du dich versenken kannst. Viele entspannen sich auch mithilfe klassischer Meditation, in der, meist im Sitzen und mit geschlossenen Augen, versucht wird, den Geist zu leeren.
  1. Nimm dir, insbesondere in den Tagen der Blutung, eine Auszeit. Wenn es dir möglich ist, bleibe zu Hause, allein mit dir und in der Stille, wenn nicht, halte deine Verpflichtungen wenigstens an den ersten zwei Tagen so gering wie möglich. Sorge ganz bewusst für Ruhe, indem du diesen Rückzug in deiner „Mondzeit“ gegenüber deinem Partner, deiner Familie und Freunden kommunizierst. Es gibt Beispiele von Frauen, die sich nach diesen zwei Tagen erholt und regeneriert mit deutlich mehr Kraftreserven ihrer Arbeit widmen können und langfristig immer weniger unter den typischen Beschwerden rund um „ihre Tage“ leiden und auch emotional deutlich stabiler sind.
  1. Verändere deine innere Haltung zu deiner Blutung. Anstatt alles, was damit zusammenhängt, abzulehnen, wende dich bewusst und liebevoll dir selbst zu. Spüre nach, was es für dich braucht, um „deine Tage“ so zu gestalten, dass du dich damit wohl fühlst. Aus Sicht der traditionellen chinesischen Medizin ist es zum Beispiel wichtig, Körperflüssigkeiten in „Fluss“ zu halten. Dies gelingt besser, wenn wir uns, speziell in dieser Phase, vor Kälte schützen, vermehrt Tee  trinken und nahrhaft warm essen, uns besonders im Bereich des Unterleibs wärmend einhüllen und gerne auch mit Wärmflasche und warmer Decke immer wieder liegend ausruhen.
  1. Heiße alle deine Gefühle in dieser Zeit willkommen und drücke sie nicht weg. Egal, ob es Angst, Wut oder Trauer ist, lass sie da sein. Es ist erlaubt, zu weinen, es ist erlaubt, Angst zu haben oder wütend zu sein. Wichtig dabei ist, dass du gleichzeitig in die Verantwortung für deine Gefühle gehst: Wenn du beispielsweise Angst hast, nimm diese ernst und schau, was du brauchst, damit du dich sicher fühlst. Wenn dich Gefühle „überfluten“, versuche gleichzeitig dein Bewusstsein auf deinen Atem zu lenken. Der Atem kann dich innerlich stabilisieren, bis die „Welle“ wieder abebbt.
  2. Suche dir Hilfe, wenn du merkst, dass du mit den hochkommenden Gefühlen alleine nicht mehr klar kommst. Wenn wir sehr lange Ärger heruntergeschluckt haben, Wut in uns hineingefressen und immer die „Starke“ gespielt haben, obwohl uns innerlich zum Heulen war, kann es vorkommen, dass das Fass schon fast am Überlaufen ist. Wenn du dir dann das erste Mal die Erlaubnis gibst, dass sich dieser emotionale „Müll“ in dir zeigen darf, kann es wirklich herausfordernd sein. Gerade in solchen Zeiten ist es für uns Frauen sehr hilfreich, in Kontakt zu gehen. Im Gegensatz zu Männern, die in den meisten Fällen ihre Probleme allein im stillen Kämmerlein mit sich ausmachen, brauchen wir Frauen den Kontakt. Manchmal reicht ein Gespräch mit einer Freundin, manchmal braucht es professionelle Hilfe. Scheue dich nicht, diesen Weg zu gehen!

Das Geheimnis des Lebens – Werden und Vergehen im beständigen Wandel

Möglich, dass sich Widerstand in dir regt. Das kann ich dir nicht verdenken. 

Zu sehr und zu lange sind wir Frauen in der uns umgebenden Gesellschaft von unserem spezifisch weiblichen Sein abgeschnitten worden, sind uns selbst die „größten Feinde“ in einer Zeit, die die Kraft des Weiblichen, das Reflektieren, die Innenschau abwertet.

Veränderung beginnt immer bei dir selbst. Niemand kann es dir abnehmen, deinen Weg zu gehen, für dich zu sorgen, damit es dir gut geht und du in dein persönliches Gleichgewicht kommst. 

Indem du beginnst, deinen Zyklus in seiner Gesamtheit wahrzunehmen, dich einzulassen auf das Auf und Ab und besonders die Innenschau begreifst als Gelegenheit, jeden Monat aufs Neue „aufzuräumen“ in deinem Leben, muss es vielleicht gar nicht zu großen Krisen kommen, weil du bereits frühzeitig die Weichen neu gestellt hast!

Wenn es dich trotzdem trifft, kannst du durch deine innere Verbindung und deine Erfahrung, die du ab jetzt mit der monatlichen „dunklen Zeit“ machen kannst, eine tiefe Weisheit über das Leben mitnehmen: 

Nach jeder Blutung, jedem symbolischen „Tod“, beginnt der Zyklus von vorne, nie endend wächst Neues, wächst Freude, wächst Kraft.

Nimm dieses innere Wissen mit in deine Krise, mit in deine Not. So, wie die Blutung irgendwann endet und sich wieder neues Leben in dir aufbaut, so wird auch deine Krise enden und Neues in dein Leben treten!

Bildquelle:Unsplash

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