Frau sein

Die innere Qualität von Frauenkreisen – Kraft aus der Verbindung schöpfen

Ich habe viele Jahre in den unterschiedlichsten „Kreisen“ Erfahrungen gemacht. Gruppen haben immer eine ganz spezielle Dynamik und es hängt von zahlreichen Faktoren ab, inwieweit eine Gemeinschaft nährend sein kann oder eben das genaue Gegenteil. Umso wichtiger ist es mir, dir in diesem Beitrag die innere Qualität eines unterstützenden Frauenkreises näher zu bringen, so, wie ich dies für mich nach all der Zeit gefunden habe. 

Ich lade dich ein, während des Lesens nicht nur mit deiner verstandesmäßig geprägten Seite die Informationen aufzunehmen, sondern gleichzeitig auch zu spüren, was für Gefühle in dir wach gerufen werden. Denn bei meinen Ausführungen geht es nicht nur um eine äußere Form, sondern auch um den Geist, der sich entfaltet und in einer solchen Gruppe wirkt.

„Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Einzelteile“, sagte Aristoteles schon vor über 2000 Jahren. Für mich bedeutet es, in einem Kreis von Frauen, dem WIR neben dem ICH Raum zu geben und darüber hinaus die uns umgebenden geistigen Kräfte miteinzubeziehen, um dadurch eine spürbare Verbundenheit mit allem zu schaffen, die dir hilft, gerade in Übergängen und Wandlungsphasen die notwendige Kraft zu schöpfen.

Einen Kreis ziehen

Um eine Verbindung herzustellen, die uns stärkt und die sich vom Alltag abhebt, ist es gut, einem gewissen Schema zu folgen, ein Ritual mit Elementen, die sonst nicht vorkommen und unsere Seele berühren. Es geht um eine Art Innenkehr, ein Abziehen der Aufmerksamkeit vom Außen, ein Ankommen im Hier und Jetzt und ein Einbeziehen all unserer Sinne. 

All dies sind Voraussetzungen, um in den Kontakt mit unserem Unbewussten zu kommen, mit dem Anteil in uns, der unsere tiefsten Wünsche und Sehnsüchte bewahrt und der auch gleichzeitig eine Art Kompass für uns ist, auf dem Weg  zu uns selbst und zu unserem einzigartigen Frausein.

Die folgenden Schritte sind keltischen Ursprungs, man findet sie aber auch in zahlreichen anderen Traditionen. Sie stellen lediglich Richtlinien dar. Ich habe im Laufe der Jahre meinen ganz individuellen Weg gefunden und lade dich ein, diese Form jederzeit neu zu interpretieren und ein eigenes Konzept zu entwickeln. Je mehr du mit dir selbst verbunden bist, desto deutlicher wirst du deine innere Stimme hören, die dich führt und dir deine ganz persönliche Art, in Verbindung zu gehen, übermittelt.

Vorbereitung des Raums

Bevor ihr den Kreis zieht, arrangiert ihr die Sitzplätze und gestaltet die Mitte. Auf einem Tuch stelle ich für die verschiedenen Himmelsrichtungen Gegenstände auf: im Osten ein Räuchergefäß (Element Luft), im Süden eine rote Kerze (Element Feuer), im Westen einen Kelch mit Wasser (Element Wasser) und im Norden eine Schale mit Sand (Element Erde). In der Mitte liegt mein „Mitte-Stein“. Außerdem liegt auf dem Tuch der „Redegegenstand“, ein Stein, Stab oder eine Göttinnenfigur, sowie andere Gegenstände, die für die Gruppe oder diesen Abend Bedeutung haben.

Die einzelnen Schritte für das Ziehen des Kreises

  1. Reinigung
  2. Eröffnung
  3. Einladung der Elemente 
  4. Verkünden der Absicht
  5. Verbindung der Gruppe 
  6. Verwandlung – Kern des Rituals
  7. Integration 
  8. Dank an die geistigen Kräfte und Schließung des Kreises

Schritt 1: Reinigung

Im ersten Schritt, der Reinigung, wird im Kreis eine Muschel mit einer Räuchermischung (z.B. weißer Salbei) herumgereicht. Mit einer Feder oder einem Federfächer wird der aufsteigende Rauch in die Aura der Frauen gefächelt, um Spannungen, Blockaden und Negativität aufzulösen. Die Muschel wird im Kreis herumgereicht, eine jede beräuchert die Frau zu ihrer Linken, die Letzte fächelt Rauch in die Mitte. Währenddessen sollte ein Fenster geöffnet sein, damit die gelöste Energie abziehen kann.

Schritt 2: Eröffnung

Nun eröffnet ihr den Kreis. Ich habe dafür ein bestimmtes kurzes Musikstück, ihr könntet aber auch durch Gesang, Spielen einer Flöte oder einer Klangschale den Kreis darin unterstützen, in die Entspannung und Zentrierung zu kommen.

Schritt 3: Einladung der Elemente 

Im Anschluss werden die vier Elemente eingeladen. Dies geschieht durch das Entzünden eines Räucherstäbchens und der roten Kerze, sowie dem Heben des Wasserkelches und der Schale mit Sand. Dazu sprecht ihr einfache kurze Sätze, wie zum Beispiel:

  • Wir rufen die Geister des Ostens, die Heimat des Frühlings, der Jungfrau, der Hoffnung und Inspiration, kommt und erleuchtet unsere Herzen!
  • Wir rufen die Geister des Südens, die Heimat des Sommers, der Mutter, der Liebe und Stabilität, kommt und erfüllt unsere Herzen!
  • Wir rufen die Geister des Westens, die Heimat des Herbstes, der Matrone, der Reife und Innenschau, kommt und öffnet unsere Herzen!
  • Wir rufen die Geister des Nordens, die Heimat des Winters, der Weisen Alten, der Weisheit und der Ahnen, kommt, haltet und helft uns!

Schritt 4: Verkünden der Absicht

Im vierten Schritt wird die Absicht des Kreises verkündet. Trifft sich zum Beispiel eine Gruppe von jungen Frauen im Übergang zwischen Schulabschluss, Volljährigkeit und Beginn der Ausbildung wird der Fokus auf andere Themen gerichtet sein, wie derjenige von Frauen, die sich in den Wechseljahren befinden und deren Herausforderung darin besteht, für ihre zweite Lebenshälfte neue Perspektiven zu entdecken. 

Schritt 5: Verbindung der Gruppe 

Nachdem die geistigen Kräfte eingeladen sind und die Absicht ausgesprochen wurde, geht es im nächsten Schritt darum, die Verbindung untereinander und zur jenseitigen Welt herzustellen. Dies gelingt zum Beispiel durch gemeinsames Trommeln, singen oder tanzen. Ein Kreistanz ist eine Möglichkeit, einen verdichteten Raum zu schaffen, in dem sich feinstoffliche Energien bündeln. Mit den Schritten „malt“ ihr ein bestimmtes Muster auf die Erde, gleichzeitig seid ihr in eurer Aufrichtung mit dem „Himmel“ über euch verbunden. Der geschlossene Kreis wirkt wie ein Kessel, in dem die Kräfte, die euch begleiten sollen, eingeladen werden. Indem ihr selbst ein Teil davon seid, könnt ihr in diesem Raum all das hineingeben, was für euch Schwere und Last ist und im Gegenzug neue fördernde Energien aufnehmen, die ihr am Ende, beim abschließenden Tanz, in euren Alltag mitnehmt. 

Schritt 6: Verwandlung – Kern des Rituals

Im eigentlichen Kern des Rituals hat jetzt das Raum, was in diesem Moment, am heutigen Tag, ausgedrückt werden möchte. Im Unterschied zu Gesprächen, die im Alltag, im Cafe oder anderen öffentlichen Räumen stattfinden, begegnet ihr euch hier auf der Ebene des Herzens. Ihr redet nicht einfach nur und bleibt dabei im Kopf und an der Oberfläche, sondern ihr spürt in euch, fühlt die Gefühle, die gerade da sind und bringt diese zum Ausdruck. Auch das Zuhören in einem solchen Kreis hat eine andere Qualität. Es geht darum, ganz bei dem zu sein, was eine andere Frau gerade ausdrückt. Ihr lasst euch mit eurem ganzen Körper ein, nehmt teil und fühlt mit.

Manchmal sprechen nur einzelne Frauen, andere nehmen an dem Abend „nur“ die Rolle der Zuhörerin ein, ein anderes Mal kommen alle gleichermaßen zur Sprache. Hier gilt es achtsam zu sein und die Dynamik im Kreis in der Balance zu halten. Alle haben gleichermaßen die Verantwortung für sich selbst und für die Gemeinschaft. Darüber hinaus haben „Störungen“ Vorrang. Anstatt sich darüber aufzuregen oder sie zu ignorieren, ist es wichtig, ihnen den notwendigen Raum zu geben. Auf einer tieferen Ebene findet ihr hier häufig den Schlüssel für eine Lösung, die Öffnung für einen „Knoten“. 

Ein Frauenkreis in dieser Form hat etwas Mütterliches und Nährendes. Wir sind angenommen mit unserer Not, unseren Ängsten und Sorgen. Wir können sie aussprechen, ausdrücken, ohne dass das, was gesagt wird, bewertet wird. Das allein kann schon ein Segen sein, weil es dann nicht mehr „auf uns lastet“. Manchmal können wir auch etwas mitnehmen, etwas, was uns stärkt, eine neue Perspektive, ein nächster Schritt, eine Idee oder einen Impuls, den wir selbst empfangen haben oder der durch eine andere Frau zu uns gekommen ist. 

Schritt 7: Integration 

Dies ist dann auch der Schritt in die Integration: Dabei reichen die Teilnehmerinnen noch einmal den Redegegenstand herum und sprechen aus, was sie am heutigen Tag mitgenommen haben. Auch ein Dank an die geistigen Kräfte, an die Gruppe als Ganzes oder zu sich selbst ist eine Möglichkeit am Ende dieser Runde.

Zur Bekräftigung auf Körperebene könnt ihr erneut einen Kreistanz tanzen. In der Bewegung nehmt ihr an Energien auf, was euch jetzt im besten Sinne stärkt und Halt gibt.

Schritt 8: Dank an die geistigen Kräfte und Schließung des Kreises

Zuletzt dankt ihr in einem abschließenden Gebet den euch begleitenden geistigen Kräften und hört ein kurzes Musikstück oder lasst eine Klangschale ertönen.

Frauen, zieht eure Kreise!

Kann sein, dass du das erste Mal „eingetaucht“ bist, in die Qualität eines solchen Frauenkreises. Möglicherweise erschien dir einiges fremd und du hast dich gefragt, ob du dich mit dieser Form „anfreunden“ kannst. Vielleicht war es dir auch zu „esoterisch“ oder „spirituell“ und du möchtest lieber auf dem „Boden der Tatsachen“ bleiben. Es könnte aber auch sein, dass etwas in dir damit in Resonanz gegangen ist, du vielleicht sogar eine gewisse Neugier verspürst, in die Energie einer solchen Gruppe einmal einzutauchen. Wenn letzteres der Fall ist, solltest du dich auf den Weg machen.

Gerade wir Frauen brauchen aus meiner Sicht eine neue Art der Begegnung untereinander. Weg von der Oberfläche und raus aus dem Kopf, wieder mehr rein in unsere Körper, in unsere Gefühle, in den Augenblick. Ein solches Miteinander in einer liebevollen und achtsamen Atmosphäre kann ungemein stärkend sein. Indem wir uns wieder füreinander und für die uns umgebende geistige Welt öffnen, ist es uns möglich, Herausforderungen, die unser Leben mit sich bringt, zu meistern. 

Prozesse des Übergangs benötigen Zeit. Manchmal müssen wir allein gehen und manchmal finden wir Kraft in der Verbindung! In diesem Sinne meine Aufforderung an dich und euch:

Frauen, zieht eure Kreise!

Hier findest du Teil 1 zum Thema Ursprung, Bedeutung und Merkmale von Frauenkreisen.

Bildquelle: Shutterstock

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