Frau sein

Frauenkreise – Ursprung, Bedeutung und Merkmale 

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Was machst du, wenn es dir schlecht geht? Wenn du nicht weiter weißt und deine Gedanken sich im Kreis drehen? Ich habe schon als kleines Mädchen eine „beste Freundin“ gehabt und auch später, als die Probleme existentieller wurden, die Verbindung zu anderen Frauen gesucht, mit denen ich mich austauschen konnte. Diese Treffen haben mir in schwierigen Zeiten geholfen: ich hatte das Gefühl, mit dem, was mich bewegte, nicht allein zu sein, meine Not „relativierte“ sich ein Stück weit und am Ende einer solchen Zusammenkunft fühlte ich mich gestärkt und konnte mich wieder mit neuer Kraft den Herausforderungen stellen.

Im ersten Teil meines Beitrags möchte ich dich mitnehmen zu den Ursprüngen und Hintergründen von Frauenkreisen. Ich möchte die Bedeutung regelmäßiger Treffen in Frauen-Kreisen aufzeigen und einige wichtige Merkmale benennen, die sich durch ein ganzheitliches Weltbild ergeben. Im zweiten Teil kannst du mehr über die innerer Qualität dieser besonderen Frauenkreise erfahren und lernen, wie ihr die euch umgebenden geistigen Kräfte einladen könnt, euch auf eurem Weg zu unterstützen.

Hintergrund und Ursprung

In alten matriarchal organisierten Kulturen waren Zusammenkünfte von Frauen wichtiger Bestandteil innerhalb der Gesellschaft. Das Wissen vom Wesen der Frau und ihrer Rolle innerhalb der Gemeinschaft wurde von Frau zu Frau weitergegeben. Der Kreis bildete Rückzugsort (z.B. verbrachten sie die Zeit der Menstruation miteinander) und Kraftort zugleich. Im Mittelpunkt stand die Begegnung der Frauen unterschiedlichen Alters, mit ihren jeweiligen Erfahrungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten. Auch trafen sich Frauen, um gemeinsam Rituale zu feiern und Magie zu wirken.

Im Unterschied zur patriarchalen, hierarchischen Struktur mit einem Machtgefälle von oben nach unten und einer linearen Raum- und Zeitwahrnehmung finden wir in diesen weiblich geprägten Kulturen ein Bewusstsein für die Ganzheit. Alle sind mit allem verbunden wie in einer Art Netz und begegnen sich auf Augenhöhe. Der Austausch im Kreis bildete folgerichtig dieses Weltbild ab. Größere Probleme und wichtige Entscheidungen mit langfristigen Folgen machten so lange die Runde, bis es passte und die Lösung „rund“ war.

Warum Frauen Probleme “umkreisen”

Die Neigung von Frauen, sich mit anderen Frauen über Probleme auszutauschen, hängt teilweise auch mit der Evolution des Gehirns zusammen. In früheren Zeiten, als Menschen noch als Jäger und Sammler umherzogen, wurde es für Frauen überlebensnotwendig, ihre Aufmerksamkeit zu streuen, um gleichzeitig ihre Kinder im Blick zu haben, Früchte und Samen zu sammeln und Essen zuzubereiten sowie eine mögliche Bedrohung durch wilde Tiere rechtzeitig zu bemerken.

Männer dagegen mussten zielgerichtet und konzentriert ihre Aufmerksamkeit auf eine Sache fokussieren, wenn sie jagten oder sich selbst und ihre Familie verteidigten. Hieraus kristallisierten sich deutliche Unterschiede in der Gehirnstruktur und -funktion heraus. Die Begabung für ganzheitliches, kontextuelles Denken führt dazu, dass wir Frauen beim Lösen von Problemen versuchen, alles mit einzubeziehen und möglichst viele Faktoren zu berücksichtigen: wir „umkreisen“ das Problem. In der Gemeinschaft mit anderen Frauen gelingt dies leichter als im Gespräch mit Männern. (Keine Regel ohne Ausnahme!)

Bedeutung

Es ist erwiesen, dass Frauen, die nahe Freundinnen haben und/oder sich regelmäßig in Kreisen treffen, gesünder und auch länger leben. Im vertrauten Miteinander und einer mitfühlenden zugewandten Begegnung auf Augenhöhe wird das Hormon „Oxytocin“ ausgeschüttet, was eine beruhigende Wirkung für unseren Organismus hat. Gerade in Phasen des Übergangs ist unser Körper erhöhtem Stress ausgesetzt.

Ein Gespräch mit einer Freundin oder ein Frauenkreis kann hier zu einem Ort werden, wo zeitweise alle Anspannung und Verkrampfung sich lösen kann. Wir erleben, wie andere in tiefe Resonanz mit uns gehen, gerade weil sie die gleichen Fragen und Themen bewegen. Dabei geht es nicht unbedingt darum, am Ende mit einer Lösung nach Hause zu gehen, sondern allein das „sich Verbinden“ und „Aussprechen“ bringt schon Erleichterung. 

Ein Frauenkreis unterstützt….

Nicht nur erhöhte Anspannung und Stress sind eine typische Begleiterscheinung von „Wandlungen“, sondern auch der Widerstand der uns umgebenden Gesellschaft gegenüber unserem Wunsch, Altes hinter uns zu lassen und neue Wege zu gehen. Erste zarte Triebe einer neuen Vorstellung von Partnerschaft, Muttersein oder auch Beruf werden schnell „zertreten“, weil sie nicht in das Weltbild der anderen passen.

Wenn wir Frauen in dieser Zeit im Austausch mit anderen sind, hilft uns das, der von außen zu uns vordringenden Ablehnung etwas entgegenzusetzen. Besonders, wenn wir selbst leicht zu verunsichern sind oder wir uns erstmals selbstbewusst für uns einsetzen, wo wir zuvor meist wenig unsere eigenen Wünsche und Bedürfnisse benannt haben, ist es wichtig, die Unterstützung einer Freundin oder eines Kreises zu spüren.

… und hält uns

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Erfahrung, dass wir im Kreis von Frauen mehr zu uns selbst finden, weil die Rollen, die wir im Alltag sonst einnehmen, nicht gefragt sind. Hier können wir auch Raum bekommen, in dem Platz hat, was uns bewegt, was wir oft schnell beiseite schieben, ohne, dass es gesehen wurde. Gefühle auszudrücken und dabei von anderen Frauen gehalten zu werden, reinigt die Seele und macht den Kopf frei.

Es macht einen Unterschied, von einer oder mehreren Frauen gehalten zu werden und dabei nicht, wie bei einem Mann oft, mit all den Gefühlen „zu viel“ zu sein oder womöglich noch zurückgewiesen zu werden, weil dieser sich überfordert fühlt. Gleichzeitig entlastet das unsere Beziehung zum anderen Geschlecht. Es macht uns „selbst-ständig“ und nimmt den Partner aus dem Fokus als Hauptansprechpartner bei Problemen aller Art.

Merkmale

Vielleicht hast du dich während des Lesens an Beziehungen zu Frauen erinnert, die dir gut getan haben und bei denen du im Kontakt vieles von dem, was ich beschrieben habe, gefunden hast. 

Sicher aber hast du auch andere Erfahrungen gemacht, in denen deine Individualität durch erzwungene Gemeinsamkeit und bedingungslose Loyalität unterdrückt wurde. In einer Zeit, in der Konkurrenzdenken noch in weiten Teilen gelebt und auch gefördert wird, Menschen eher getrennt und isoliert leben, sind wir in der Begegnung mit anderen dann oft nicht mehr frei oder durch schlechte Erfahrungen und emotionale Verletzungen auch misstrauisch geworden und es fällt uns schwer, uns gegenüber anderen zu öffnen.

Umso wichtiger ist es mir zu betonen, dass Frauenkreise, von denen ich schreibe, von einer anderen Qualität sind. Basierend auf dem Bewusstsein, dass für jede einzelne die Entfaltung ihrer individuellen Persönlichkeit von entscheidender Bedeutung für ihr psychisches und physisches Wohlbefinden ist, gleichzeitig aber wir alle auf die uns umgebende Gemeinschaft angewiesen sind, ergibt sich die Notwendigkeit einer Balance von Verantwortung im Miteinander und Freiheit des Einzelnen.

Jenseits hierarchischer Strukturen und einem Machtgefälle von oben nach unten ist ein solcher Kreis geprägt von einigen entscheidenden äußeren Merkmalen.

Äußere Merkmale von Frauenkreisen
  • In einem Kreis ist jede Stimme so wertvoll wie die andere
  • Alle Teilnehmerinnen sind bereit, voll präsent, ehrlich und immer offen zu sein. 
  • Die Anzahl der Mitglieder sollte acht bis max. 10 nicht übersteigen. 
  • Es ist wichtig, eine klare Absicht zu haben. Ihr könnt euch z.B. treffen, um einander zu unterstützen, um miteinander Spaß zu haben, oder um in die Tiefe zu reisen im Rahmen von Zeremonien. 
  • Wenn ihr wisst, worum es in eurem Kreis gehen soll, könnt ihr diesem auch einen Namen geben. Dies stärkt den Kreis und eure Zugehörigkeit zu ihm.
  • Als Gegengewicht zu unserer meist sehr verkopften Welt ist es gut, wenn ihr neben Gesprächen auch kreativ werdet und Raum für Sinnes-Wahrnehmung schafft.
  • Es muss geklärt werden, wann und wo ihr euch trefft. Entweder gibt es eine Art „Basislager“ oder aber ihr wechselt euch als Gastgeberin der Reihe nach ab. Auch die Vereinbarung eines regelmäßigen Zeitpunkts ist von Bedeutung. Die Kraft eines Kreises kann sich auf Dauer nur entfalten, wenn eine gewisse Verbindlichkeit herrscht.
  • Was im Kreis gesagt oder getan wird, bleibt auch im Kreis.
  • Unter den Kreismitgliedern wird niemals über eine andere Frau aus dem Kreis getratscht.
  • Probleme, die den Kreis betreffen, werden rechtzeitig im Kreis besprochen.
  • Persönliche Krisen stehen immer an oberster Stelle.

So wichtig die äußere Form eines solchen Kreises ist, so bedeutungsvoll ist auch das Wie, das Innenleben, die „Seele“ solcher Frauenkreise. Solange sie nur eine weitere Aktivität im ohnehin schon überfüllten Alltag sind, erschließt sich nicht die eigentliche Wirkung. Gerade die aber brauchen wir in Zeiten des Wandels und der Übergänge. Seelische Not wird nicht an der Oberfläche „geheilt“. Sie findet dann Linderung, wenn wir uns auch in einen Raum außerhalb des üblichen Lebens begeben und das einladen, was uns meist unbewusst begleitet. Gerade wir Frauen hatten in alter Zeit Zugang zu der Welt neben unserer Welt. 

Es ist an der Zeit, dass wir uns an dieses alte Wissen erinnern und heil werden, ganz werden, unseren Weg, der manchmal so dornig sein kann, nicht allein gehen, sondern in Begleitung von anderen Frauen und den Kräften, die uns umgeben!

Hier kannst du weiter lesen.

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