Altes Wissen nutzen

„Kleine Hausapotheke“ für die Sinne – was dich tröstet, wenn Worte nicht mehr helfen! – Teil 1

Oftmals sind es die einfachen Dinge, die helfen, wenn deine Not groß ist. So groß, dass Worte dich nicht mehr erreichen. So übermächtig, dass jegliche rationale Analyse dich nur mehr verwirrt. 

Dann, wenn Ängste und Schmerz dich überwältigen, braucht es Trost. Und zwar auf Ebene des Körpers, auf der Ebene deiner fünf Sinne. So, wie es ganz kleine Kinder im besten Fall von ihrer „fürsorglichen Mutter“ bekommen.  

In diesem Beitrag möchte ich dir eine „kleine Hausapotheke“ für die Sinne an die Hand geben, mit deren Hilfe du dir selbst Halt geben kannst, wenn es dir im Prozess der Wandlung wieder einmal zu viel wird. 

 

Warum Worte manchmal „ins Leere gehen“

Natürlich helfen Tipps und Ratschläge in vielen Fällen weiter und es ist auch sicher manchmal sinnvoll, wenn wir emotional zu sehr „drinhängen“, bewusst einen Schritt heraus zu machen. Deine verängstigte Seele braucht aber daneben ihre ganz eigene „Innennahrung“, um ins Gleichgewicht zu kommen. Eine Nahrung, die den unbewussten Teil deines Seins berührt und die ihren Weg über deine fünf Sinne nimmt: Sehen, Hören, Riechen und Schmecken, Tasten und Spüren.

Der Grund dafür ist, dass du mit Worten nur einen Teil deines Gehirns erreichst, nämlich die Großhirnrinde. Sinnesreize, die z.B. über das Riechen in uns aktiviert werden, werden weitertransportiert in das limbische System und zum Hippocampus. Das limbische System ist der Bereich in unserem Gehirn, der für unsere Gefühle und Stimmungen zuständig ist, der Hippocampus ist unser Gedächtnis- und Erinnerungszentrum. Ob heute etwas schlecht oder gut für uns riecht und wohlige Gefühle in uns weckt, hängt davon ab, in welcher Situation wir den Duft das erste Mal gerochen haben. Riechen ist also eine Sinneswahrnehmung, die unmittelbar auf unser Gefühlsleben wirken kann.

 

Sich selbst eine „gute Mutter“ sein

Die Art und Weise, wie wir mit uns selbst umgehen und was wir von uns denken, ist geprägt von den Erfahrungen aus unserer Kindheit. Hatten wir ein fürsorgliches und Geborgenheit ausstrahlendes Zuhause fällt es uns meist sehr viel leichter, in krisenhaften Zeiten auf diese Wurzeln zurückzugreifen. Oft sind wir auch besser in der Lage, solche Phasen zu meistern, weil wir innerlich stabil sind und wissen, was wir brauchen, um wieder in Balance zu kommen. Gehörst du aber nicht zu denjenigen, die ein stützendes Zuhause hatten, möchte ich dir vorab kurz einen Einblick in dein Inneres geben, damit du die „kleine Hausapotheke“ gut für dich nützen kannst. 

Sicher ist dir der Begriff „Über-Ich“ bekannt“. Er stammt von Sigmund Freud und bezeichnet einen Anteil in dir, der die gesellschaftlichen Vorstellungen repräsentiert. Damit sind Werte und Normen gemeint, die deine Eltern und die Gesellschaft als wichtig und richtig erachtet haben. Dem gegenüber stehen deine emotionalen Bedürfnisse. Natürlich ist es notwendig, innerhalb eines Rahmens zu leben, einfach deshalb, weil um uns herum noch andere sind, die ebenfalls Recht auf Persönlichkeitsentfaltung haben. Ist dein „Über-Ich“ allerdings so rigide, dass dir das, was du für dein Wohlbefinden brauchst, größtenteils entweder nicht mehr bewusst ist oder du es wegdrückst, weil du die Erfahrung gemacht hast, dass deine Bedürfnisse „nicht wichtig“ sind, dann ist es notwendig, diesen inneren Anteil umzuformen.

Es ist leider auch ein typisches Phänomen bei uns Frauen, dass wir oft sehr genau wissen, was andere brauchen, wir es ihnen „selbst-los“ geben und uns dabei, folgerichtig, fast oder ganz vergessen. Emotionale Zuwendung, die uns innerlich nährt, braucht eine „gute Mutter“ in dir. Eine, die deine Impulse aufnimmt und nicht „lächerlich“ macht. Gerade in Krisen sind wir emotional aufgewühlt und brauchen kein harsches „Jetzt stell dich nicht so an!“, sondern eine einfühlsame Zuwendung und ein ernst-nehmen dessen, wonach unsere Seele ruft.

Wenn du im Folgenden einen Blick in meine „kleine Hausapotheke“ wirfst, dann nimm vorab die „Brille“ runter, die dir eventuell durch deine Eltern (Mutter, Vater oder von beiden) aufgesetzt wurde und sei dir selbst eine „gute Mutter“. Verbinde dich jetzt innerlich mit dem Kind in dir und achte auf Impulse, die während des Lesens von deinem inneren Kind gesendet werden. Dann wird es dir leichter fallen, dieses Wissen für dich zu nützen!

 

…und den Augen ein Wohlgefallen

  • In den nächsten Wochen, wenn der Frühling allmählich das Grau des Winters vertreibt, erwacht die Natur. Das erste Grün zeigt sich an Bäumen und Sträuchern und Frühblüher bilden Farbtupfer auf den Wiesen. Du wirst zu jeder Jahreszeit etwas finden, was dein Herz berührt und dich innerlich weitet. Achte beim nächsten Spaziergang auf die kleinen und großen „Schönheiten“ deiner Umgebung und genieße bewusst!
  • Dein Zuhause sollte der Ort sein, wo du dich wirklich wohl fühlst. Geh einmal bewusst durch die Räume und schau, ob das, was du siehst, dir guttut. Vielleicht musst du mal wieder ausmisten, aufräumen, ordnen oder putzen. Die Energie, die du in deine Umgebung steckst, wird danach sichtbar sein, versprochen! Möglich, dass du dabei auch den Wunsch verspürst, an der einen oder anderen Stelle etwas neu zu arrangieren oder gar etwas zu kaufen, was deine Wohnung noch behaglicher macht. Das kann eine schöne Wolldecke fürs Sofa sein oder eine Vase, in die du regelmäßig frische Blumen stellst. Träume und verwirkliche das, was möglich ist, für dich!
  • Viele Frauen gehen zum Friseur, wenn sie innerlich im Wandel sind. Tatsächlich ist es aus verschiedenen Gründen ein hilfreicher Schritt in die Veränderung. „Die alten Zöpfe“ abzuschneiden, kann wahrhaft befreiend sein! Ich habe zB im letzten halben Jahr dreimal eine kleine Tüte mit meinen abgeschnittenen Haaren gefüllt und diese zu Hause vergraben: das alte Ich darf gehen und im Spiegel sehe ich mehr und mehr mein Neues! Sich freuen über die eigene Schönheit, die Kraft zu spüren, die in dir wächst, wenn du dir dafür Zeit genommen hast, auch das kann nährend sein!

 

Ein Lied für deine Seele

  • Wenn der Lärm in deinem Kopf kein Ende nimmt, Sorgen und Nöte deine Gedanken nicht endend beschäftigen, dann kannst du Entspannung in ruhiger Musik finden. Kann aber auch sein, dass du eher kraftvolle, laute Töne brauchst, um richtig runterzukommen. Manchmal ist es auch mehr das eine, dann das andere. In jedem Fall hilft Musik dir, Wege aus deiner Not zu finden. Wichtig ist, dir dafür Zeit zu nehmen, dh ganz bewusst zu hören, entweder am Sofa sitzend oder liegend oder, wenn du möchtest, auch tanzend. Schwinge deine Seele hinein in die Welt der Töne, lass dich innerlich und äußerlich bewegen und in Balance bringen!
  • Die Auswahl an Musik ist riesengroß. Ich stelle mir jedes Jahr eine spezielle Playlist zusammen aus unterschiedlichsten Stücken, mit denen ich in Resonanz gegangen bin. Eine Musik, speziell von mir für mich, mit viel Liebe und Achtsamkeit ausgesucht, die mir in schwierigen Phasen das Leben etwas leichter macht. Gerade das bewusste Wählen, das Hinspüren, was sich gut anfühlt, war und ist ein Akt der Fürsorge und Selbstliebe, den ich sehr nährend finde.
  • Eine Besonderheit in der Welt der Töne sind bestimmte Klangfrequenzen. Es ist inzwischen nachgewiesen, dass unser Körper und damit all unsere Zellen auf einem bestimmten Grundton schwingen. Die Schwingung liegt bei exakt 432Hz. Töne in dieser Frequenz harmonisieren, stabilisieren und helfen dir, wieder in Einklang zu kommen. Lieder klingen weicher und runder, sie berühren das Herz und synchronisieren die beiden Gehirnhälften. Du findest im Netz dazu ausreichend Informationen. 

Damit endet der erste Teil meines Beitrags „Kleine Hausapotheke für die Sinne“. In unserem Alltag verlieren wir häufig das Nächstliegende aus den Augen. Durch die Vielzahl an äußeren Impulsen und Eindrücken sind wir oft schon abgestumpft und es entgehen uns die Feinheiten, die einen Unterschied machen in unserem Leben. In Phasen des Wandels und des Übergangs werden wir aus dieser Komfortzone geworfen. Das allein bringt schon eine Veränderung unserer Sichtweise auf das, was im Leben wertvoll und nährend ist! 

Meine Anregungen sollen dir auch dazu dienen, selbst zur „Forscherin“ zu werden. Vielleicht richtest du dein Augenmerk in der nächsten Zeit vermehrt auf deinen Seh- und Hörsinn auf der Suche nach wohltuenden Momenten. Sicher entdeckst du noch viel mehr an Schönem für Auge und Ohr!

Im zweiten Teil nehme ich dich wieder mit in die Welt der Sinne, in die Welt des Riechens und Schmeckens, sowie Tastens und Spürens. Ich freu mich, wenn du wieder mit dabei bist!

Psyche und Intuition stärken: „Unsere 7 Sinne“ von Rüdiger Braun, ein Buchtipp zur weiteren Vertiefung, mit ausführlichen wissenschaftlichen Erläuterungen.

Bildquelle: Eshter Driehaus, Unsplash

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22. März 2020

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