Altes Wissen nützen

„Kleine Hausapotheke“ für die Sinne – was dich tröstet, wenn Worte nicht mehr helfen! – Teil 2

In Krisen und Übergängen gibt es Zeiten, in denen alles gesagt ist. Wahrscheinlich hast du deine Situation schon von allen Seiten beleuchtet, rauf und runter analysiert und trotzdem noch keine innere Ruhe gefunden. Der Wunsch nach einer Lösung deiner inneren Spannung ist immens. 

Auch wenn deine Krise damit nicht beendet wird, kann dir meine „kleine Hausapotheke“ für die Sinne helfen, für einen Moment Frieden zu finden. Im ersten Teil dieser Serie habe ich dir bereits die Welt des Sehens und Hörens ans Herz gelegt, in diesem Beitrag gebe ich dir Tipps, wie Riechen und Schmecken sowie Tasten und Spüren deine Seele berühren und den Weg durch die dunkle Zeit etwas leichter machen können.

 

Immer der Nase lang…

  • Die Atmosphäre eines Raumes kannst du durch Einsatz bestimmter Duftöle individuell gestalten. Hier gibt es inzwischen eine riesige Bandbreite an Angeboten. Vielleicht nimmst du dir einmal in Ruhe Zeit, um eine spezielle Duftmischung oder einen einzelnen Duft auszuwählen, der dich in deiner Krisenzeit stützt und entlastet. Entweder du folgst bei der Auswahl deiner inneren Stimme oder du nützt die Beratung in einem ausgewählten Fachgeschäft. Hier wirst du auch mehr über die fachgerechte Anwendung in Duftlampe, auf Duftsteinen oder anderen Geräten erfahren. Die beste Wirkung erzielen biologisch gewonnene Essenzen, da in ihnen die Kraft der Pflanzen enthalten ist.
  • Etwas grobstofflicher, nichts destotrotz genauso Halt gebend ist das Räuchern. Räucherwerk wird von Menschen seit alter Zeit genutzt zur Reinigung, Harmonisierung, Energetisierung und Beruhigung. Gerade als regelmäßiges Ritual angewendet, dem du ausreichend Zeit und Raum widmest, kann es dir im Wandel ein hilfreicher Begleiter sein. Auch hier findest du inzwischen eine große Zahl an Angeboten. Vielleicht möchtest du ja auch einmal einen Kurs zum „richtigen Räuchern“ besuchen. Dabei lernst du nicht nur, was du in der Anwendung beachten solltest, sondern triffst auch auf andere Menschen, die auf dem Weg sind und diesen bewusst und eigenverantwortlich gestalten möchten. Gemeinsam geht es sich immer leichter!
  • Manchmal ist auch eine „Erinnerungsreise“ in deine Kindheit hilfreich: Meine Omi, zum Beispiel, hatte immer eine frische, englische Seife in ihrem Bad, wenn ich zu Besuch kam. Bei ihr fühlte ich mich wohl und geborgen. Aus diesem Grund verwende ich gern Seifen, die diesen Geruch haben. Bei jedem Händewaschen stelle ich mir vor, meine Omi ist bei mir und sendet mir all ihre Liebe und Zuwendung, die ich in manchen Momenten so dringend benötige. Dann wird es für eine Zeitlang leichter. Manchmal ist es auch ein bestimmtes Waschmittel, ein Parfum, das du mit früher in Verbindung bringst. Nütze diese „alte Verbindung“ und lass dich davon begleiten!

…und „Liebe“ geht durch den Magen

  • Kennst du das? Du betrittst einen Raum und von irgendwoher weht ein ganz bestimmter Geruch in deine Nase. Vielleicht der Duft von Kaffee, ein frisch gebackener Kuchen. Dieser Geruch erinnert dich an deine Kindheit. Bilder steigen auf, du siehst dich sitzen am Esstisch als Kind, vor dir ein Stück deines Lieblingskuchens, neben dir die Stimmen deiner Eltern, vielleicht Geschwister. Gedächtnisforscher bezeichnen dieses Phänomen als „Madeleine-Effekt“, bezogen auf eine Textstelle im Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Marcel Proust, in dem er genau so eine Szene beschreibt (der Kuchen ist hier ein Madeleine-Törtchen). Nütze diesen Effekt in deiner jetzigen Lage und koche und backe für dich deine Lieblingsrezepte! 
  • Nicht nur was du kochst, sondern auch wie du kochst, wird dich stärken. Gerade in Krisenzeiten neigen wir manchmal dazu, schnell irgendeine Tiefkühlpizza in den Ofen zu schieben, nur, damit „gegessen“ ist. Über die „Magie des Kochens“ habe ich einen eigenen Beitrag geschrieben, der dich dazu inspirieren kann, wenigstens ab und zu eine Mahlzeit bewusst zuzubereiten.
  • Vor dem Kochen kommt das Einkaufen. Anstatt immer zum gleichen Discounter um die Ecke zu gehen, möchte ich dich ermuntern, auch einmal einen Wochenmarkt zu besuchen. Dieser sollte schon etwas größer sein, so dass du eine entsprechende Auswahl unterschiedlicher Stände hast. Besonders in der milderen Jahreszeit kann daraus ein richtiger kleiner Ausflug werden. Während du mit deinem Einkaufszettel in der Hand von Stand zu Stand schlenderst, darfst du dein Gedankenkarusell ruhig einmal sich selbst überlassen und dich ganz den unterschiedlichen Gerüchen hingeben. Probiere einmal hier, einmal da. Lass dich verführen von ausländischen Gewürzen und exotischem Obst! Manche Märkte bieten auch kleine Gerichte an, die im Stehen oder sitzend unter einem Kastanienbaum verspeist werden. Wenn dann noch ein „fahrender Musikus“ zu Gitarrenklängen singt, dann ist die Welt für einen Augenblick wieder in Ordnung.

Vom Berühren und Spüren

  • Bei Kindern erscheint es uns selbstverständlich, wenn sie im Bett oder tagsüber ein Stofftier oder eine kleine Kuscheldecke bei sich haben. Als Erwachsene fühlen wir uns zu alt und empfinden es als lächerlich und unpassend. Tatsächlich kann aber so ein kleiner „Begleiter“ dich nachts vor schlaflosen Stunden schützen. Unser Tastsinn ist der erste, der uns in den Kontakt mit der Außenwelt bringt. Das Wissen darum, nicht allein zu sein, im Spüren ein Gegenüber wahrzunehmen, ist für Neugeborene unerlässlich für eine gesunde Entwicklung. Später reicht auch mal ein Kuscheltier, das häufig eine eigene Identität zugewiesen bekommt. Unser „inneres Kind“ braucht in Wandlungsphasen mehr Zuwendung als sonst. Vielleicht hast du ja in einer alten Kiste am Dachboden noch deinen alten Teddybär oder den Hasen mit Schlappohr. Wenn nicht, dann scheu dich nicht, dir einen neuen „Begleiter“ oder eine „Begleiterin“ zu kaufen. Gehe ganz bewusst in den Dialog mit deinem „inneren Kind“ und lass dir das „Richtige“ zeigen. Auch wenn es anfangs ungewohnt ist, mit der Zeit wirst du spüren, wie stärkend dies sein kann.
  • Berührungen, die wir an uns selbst erfahren, haben eine ganz besondere Bedeutung. In einer Umarmung sinkt der Blutdruck, die Muskelspannung nimmt ab und das Stresshormon Kortisol sinkt. Dauert der direkte Kontakt länger, wird zudem das Bindungshormon Oxytocin ausgeschüttet. Die Nähe und Vertrautheit wirken sich positiv auf dein angespanntes Nervenkostüm aus, frei nach dem Satz: „Geteiltes Leid ist halbes Leid.“ Insofern ist es sehr hilfreich, wenn du in Krisenzeiten immer wieder mit anderen Menschen in Verbindung gehst, die dir auf emotionaler Ebene guttun. Oft treffen wir uns, um zu reden, doch ein Miteinander sein, ohne Worte, mit Berührung, ist mindestens genauso wertvoll.
  • Eine weitere Möglichkeit, deine innere Unruhe und Aufgewühltheit zu beruhigen, sind Massagen. Hier sind nicht irgendwelche „Wellness-Massagen“ gemeint, sondern Methoden, die in der Ayurvedischen oder Chinesischen Medizin angewendet werden. Diese Massagen sollten ausschließlich von ausgebildeten Therapeuten durchgeführt werden. Bevor du behandelt wirst, findet immer eine ausführliche Anamnese statt. Körper und Seele bilden aus ganzheitlicher Sicht eine untrennbare Einheit. So wird vorab genau analysiert, welche Bereiche deines „Systems“ im Ungleichgewicht sind. Danach werden mit den Händen gezielt unterschiedliche Bereiche aktiviert, im Ayurveda zusätzlich unter Verwendung spezifischer Öle, die vorab gewärmt werden. Massagen von anerkannten Therapeuten werden auch in gewissen Umfang von den Krankenkassen bezahlt. 

Hier schließe ich nun meine „kleine Hausapotheke für die Sinne“ und hoffe, dass für dich der eine oder andere Tipp dabei war, mit dem du innerlich in Resonanz gegangen bist. Oder du gehst selbst weiter auf Entdeckungsreise und findest heraus, wie du deine Seele nähren kannst.

Lange Zeit wurde in unserer Gesellschaft der Geist über den Körper gestellt. Solange wir die Welt und uns selbst rational erklären konnten, erschien uns das Leben sicher. Doch wir sind als Menschen untrennbar mit unserem Körper und unseren Gefühlen verbunden. Das wird uns gerade jetzt, in Zeiten von “Corona”, besonders deutlich. Kaum geht die vermeintliche Sicherheit im Außen verloren, kommt Angst hoch.

Tatsächlich sind viele ganz konkret in ihrer Existenz bedroht. Wenn die übliche Routine wegbricht, beginnt das “Gedankenkarussell” im Kopf sich zu drehen. Mein Weg durch Krisen führt immer über meinen Körper. Deine fünf Sinne sind deine Kanäle nach außen. Über sie kannst du deiner Seele ihre ganz eigene Nahrung zuführen, die dich stärkt und dir Halt gibt. Dann kann sich für einige Zeit in dir wieder eine innere Ruhe ausbreiten. Aus dieser Ruhe heraus kannst du ins Handeln kommen und den nächsten anstehenden Schritt klären!

 

Psyche und Intuition stärken: „Unsere 7 Sinne“ von Rüdiger Braun, ein Buchtipp zur weiteren Vertiefung, mit ausführlichen wissenschaftlichen Erläuterungen.

Bildquelle: Adobe Stock,187043702

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