Altes Wissen nutzen

Feuer, Wasser, Erde, Luft – wie du mit den vier Elementen Übergänge leichter meistern kannst

Kraft der Elemente

Loderndes Feuer, ein Fluss, dessen Wasser gemächlich dahinfließt, die Erde, auf der wir gehen, der frische Wind – dies sind die vier Elemente, deren wertvolle Kräfte mehr und mehr in Vergessenheit geraten sind. Wir kennen wohl ihre Bedeutung im Zusammenhang mit Energiegewinnung und Ernährung. Jedoch haben wir vergessen, dass auch in den Elementen Unsichtbares wirkt.

Gerade während Übergängen zwischen zwei Lebensphasen ist es gut, verschiedenste Möglichkeiten zu kennen, die uns Halt und Unterstützung geben. Nicht immer sind andere Menschen greifbar und so ist es notwendig, etwas zu finden, was uns trägt, auch wenn wir allein sind. Die vier Elemente umgeben uns ständig in unserem Alltag und können solche „Helfer in der Not“ für dich sein. Wie du durch sie Altes loslassen kannst und neue Kraft findest, erzähle ich dir in meinem heutigen Beitrag.

 

Das Feuer

Feuer ist wohl das kraftvollste Element. Die Hitze und Intensität der Flammen, die Kraft der Zerstörung berührt mich jedes Mal zutiefst. Viele Male schon bin ich an Feuern gestanden. Manchmal allein, manchmal mit anderen. Oft waren es Feuer zu bestimmten Anlässen, wie z.B. Jahreskreisfeste oder Übergangsrituale. Es gibt Momente, da brauche ich die Kraft des Feuers. Es wärmt mich außen und innen, weil ich in herausfordernden Situationen oft wie erstarrt und zusammengezogen bin und die Atmosphäre des Feuers die innere Kälte schmelzen lässt. 

In allen Elementen „wohnen“ Geistwesen. Es gibt Menschen, die die „Feuergeister“ in den Flammen erkennen können. Indem ich das Feuer entfache, komme ich mit ihnen in Verbindung. Dann spreche ich über meine Not, laut oder leise. Oder ich habe zuvor schon aufgeschrieben, was mich bedrückt und was ich mir wünsche. Diese Zettel übergebe ich den Flammen. Während ich zusehe, wie das Papier zu Asche zerfällt, weiß ich, dass meine Botschaft gehört wurde und vertraue auf die Wandlung. 

Viele Tränen habe ich geweint, während ich Altes loslassen musste und Neues noch auf sich warten ließ. Solche Prozesse sind wirklich „harte Arbeit“, Gefühle und Tränen zu erlauben und dabei Taschentuch um Taschentuch zu verbrauchen das „Beiwerk“. Anstatt diese in den Müll zu werfen, sammle ich sie in einem kleinen Korb und verbrenne auch diese, meist bei den Jahreskreisfesten. Auf eine bestimmte Weise „ehre“ ich mich und meinen Mut, durch Schmerz und Trauer hindurch zu gehen und diese nicht zu verdrängen. Im Verbrennen können sich auch die Tränen wandeln in neue Energie, die mir für meinen weiteren Weg zufließt.

 

Das Wasser

An manchen Tagen fühlt es sich an, als ob Unsicherheit, Zweifel und Angst an dir kleben würden wie Schweiß nach einer anstrengenden Bergtour. Dann hilft mir das Element Wasser, davon frei zu werden und mich wieder zu entspannen. Unter fließendem Wasser in der Dusche kann ich alles davonspülen lassen. Ich stelle mir vor, dass Unsicherheit, Zweifel und Angst verschiedene Farben haben. Zu meinen Füßen kommen sie zusammen und verschwinden gemeinsam im Abflussrohr. Ich dusche so lange, bis das Wasser an meinen Füßen ganz „klar“ ist. Dann ist es für diesmal gut. 

Es hilft mir auch, ein Bad zu nehmen. Im Sommer oder im Urlaub ist es sogar noch besser in einen Fluss, See oder das Meer einzutauchen. Manchmal spreche ich auch mit dem Geist des Wassers. Ich bitte darum, alles von mir abzuwaschen, was nicht zu mir gehört. Besonders in der Weite des Meeres und durch dessen Salzgehalt empfinde ich diese Reinigung besonders kraftvoll. 

Es gibt Momente, in denen sich dann die Grenzen zwischen mir und dem Wasser scheinbar auflösen. Belastende Gedanken, bevorstehende Herausforderungen treten in den Hintergrund. Stattdessen entfaltet sich ein Gefühl von Verbundenheit und tief in mir weiß ich: „Ich bin nicht allein.“

Eine weitere Möglichkeit, dich von diesem Element und seiner Kraft unterstützen zu lassen, ist folgende: Bastle aus Papier ein Schiffchen. Schreibe entweder bereits auf dieses Papier all das, was du gerade loslassen möchtest oder nimm dazu einen zweiten Zettel, den du dann in dein Schiffchen hineinlegst. Natürlich kannst du auch Wünsche für das Neue, das kommen soll, dazuschreiben. Dann setze es irgendwo in der Natur an einem Bach oder Fluss ins Wasser. Sieh zu, wie es davon schwimmt und mach dir keine Sorgen, wenn es gleich untergeht oder sich unterwegs verfängt. Alles, was geschieht, ist genau richtig so. Der Geist des Gewässers hat deine Botschaft gehört und „wirkt“ nun auf seine eigene Weise.

 

Die Erde

Auch die Erde kann dich trösten, dir Halt geben, wenn um dich herum die Welt ins Wanken gerät. Manchmal stelle ich mir vor, ich stehe wie ein Baum auf dem Boden. Langsam lasse ich Wurzeln in die Tiefe wachsen. Bei jedem Ausatmen grabe ich mich tiefer hinein, sehe vor meinem inneren Auge, wie sie sich verzweigen und ein großes unterirdisches Netz bilden. Sie begegnen dort den Wurzeln anderer Bäume und verbinden sich mit ihnen. Gemeinsam ist es leichter. 

Gleichzeitig hole ich mit jedem Einatmen Kraft aus der Erde. Ich stelle mir vor, dass die Erde weiß, was ich gerade brauche. Wie eine gute Mutter, die instinktiv für ihr Kind das Richtige bereithält: mal ist es eine tröstende Umarmung, mal ein stärkendes Wort. Ich darf darauf vertrauen, dass sie gut für mich sorgt. 

Wenn dies noch zu wenig Kontakt ist, lege ich mich auf den Boden. Ich kann den Halt jetzt am ganzen Körper spüren. Es ist, wie wenn viele Hände mich stützen und in jede Hand lege ich einen Teil meiner Ängste. Sie werden mir abgenommen, immer wieder. Ich bin nie zu viel oder störe gerade. Die Erde ist in jedem Augenblick meines Lebens bereit, mich zu tragen und mir den Weg, den ich gerade gehe, ein Stück weit weniger beschwerlich zu machen.

Auch barfuß laufen ist eine gute Möglichkeit, ganz eng mit der Erde in Kontakt zu kommen. Bewusstes Gehen, den Halt spüren unter den Füßen bringt dich raus aus dem Kopf und rein in den Körper. Vielleicht hast du ja einen Spazier-Weg, den du immer wieder gehst. Achte beim nächsten Mal ganz bewusst auf die Beschaffenheit des Weges, auf die Pflanzen am Wegrand, auf die Tiere am Boden oder in der Luft. Spüre die Unterschiede, die Unebenheiten des Bodens, betrachte und berühre die Pflanzen, sieh und höre die Tiere. Nimm das Lebendige um dich herum wahr und atme diese Lebendigkeit tief in dich ein und lass deine Traurigkeit und deinen Kummer in der Natur.

Warst du schon einmal in einer Höhle, im Bauch von „Mutter Erde“? Auch das kann eine wunderschöne Erfahrung sein, wenn wir uns einsam und verloren fühlen. Sich irgendwo hinzusetzen, die Augen zu schließen und vielleicht auch die Arme um die Beine zu legen, wie ein Baby. Als inneres Bild kannst du dir vorstellen, wie du umarmt und gehalten wirst. Atme den Geruch der Erde ein und mit dem Ausatmen entspanne Rücken und Schultern. Lass dich hineinsinken in diesen Raum, werde weich und, wenn Tränen fließen, lass sie laufen. Du kannst dich auch leicht hin – und herwiegen, wie es eine gute Mutter mit ihrem Kind tun würde. Bleib, solange, bis es leichter ist.

 

Die Luft

Am schwersten sind Übergänge für mich, wenn ich Beziehungen hinter mir lassen muss. Ob es Familienangehörige, Partner, Freunde oder auch Tiere sind, immer ist die Trennung eine große Herausforderung. Folgende Zeilen habe ich geschrieben in der Zeit, als mein Kater im April so schwer erkrankte und kurz darauf starb:

„Ich sitze im Garten mit geschlossenen Augen und der Wind bläst über mein Gesicht. Er streichelt meine Haut, zerzaust mein Haar und ich höre sein Rauschen in den Blättern der Bäume. Es ist, als ob er flüstern würde: „Lass los! Schenk mir deine Gedanken, deine Sorgen und Nöte. Ich nehme sie mit mir fort.“

Ich stelle mir vor, wie jede seiner Berührungen Teile meiner Unruhe davon bläst. Mal behutsam, mal schwungvoll. Gleichzeitig atme ich ein und aus. Im Einatmen hole ich mir die Botschaft des Windes in jede meiner Zellen: „Es wird leicht, ich mach dich weich.“ Mit jedem Ausatmen schicke ich meine Last nach draußen. Sie verbindet sich mit dem Wind und wird davongetragen. Vielleicht lässt er sie irgendwo fallen, dort, wo er still wird. Sie fällt zu Boden wie ein Blatt und zerfällt mit der Zeit.“

Der Wind hat im Gegensatz zur Erde Leichtigkeit und Beweglichkeit. Frischer Wind bringt uns zum Durchatmen. Selbst „Wind machen“ durch intensives Tanzen, Hüpfen, Springen und Schütteln lockert die Starre, die den Körper in Krisen oft so verhärtet. Gleichzeitig hat der Wind enorme Kräfte. Stürme, die über das Land brausen, reißen alles nieder, was ihnen im Weg steht. Spaziergänge am Meer bei Wind und Wetter, zum Beispiel an der Nordsee auf den weiten Stränden, können dich in deiner Wandelzeit unterstützen. Gut eingepackt kannst du dort spüren, wie es an dir selbst rüttelt und schüttelt. Dann stell dir vor, wie alles mitgerissen wird, was nicht mehr zu dir gehört und nur das bleibt, was wirklich deins ist.

Auf so einer Wanderung kannst du auch kleine Zettelchen davonfliegen lassen. Wie oben schon beschrieben, notierst du darauf, was gehen und auch, was kommen darf. Halte die Zettel einen nach dem anderen dem Wind hin und sieh zu, wie er deine Worte mit sich nimmt.

 

In welchem Element bist du Zuhause?

Nun hast du einen kleinen Überblick über einige der vielen Möglichkeiten, die Elemente für dich zu nutzen, bekommen. Ich möchte dich jetzt einladen, hinzuspüren, ob es vielleicht ein Element gibt, zu dem du dich besonders hingezogen fühlst. 

Bei mir ist es das Element Erde. Ich liebe die Natur, meinen Garten, die Bäume, Hecken und Sträucher. Blumen lassen mir das Herz aufgehen und sobald die ersten Sonnenstrahlen den kommenden Frühling ankündigen, beginne ich draußen aktiv zu werden. Wenn ich in meinen Beeten grabe, Unkraut steche oder Rosen schneide bin ich ganz „in meinem Element“. Dann kann ich Sorgen für eine gewisse Zeit vergessen und tauche ein in die Natur. Gerade auch die körperliche Arbeit bringt mich raus aus meinem Kopf. Außerdem ist es schön, mich mit der Natur zu verbinden. Ich spreche dann mit meinen Rosen, meinem Olivenbäumchen und freue mich, wenn ich nach getaner Arbeit ins Grüne schauen kann. Dann strahlt die Kraft, die ich dort hineingegeben habe zu mir zurück und gibt mir ein gutes Gefühl. 

In meinem Garten habe ich schon viel vergraben: Zettel mit Dingen, die ich loslassen möchte, die Jahreseier meines Frühlingsherolds und auch kleine Dankesgaben an die „geistige Welt“. Oft liege ich im Sommer mitten in der Wiese und fühle die Geborgenheit, die mir dieses kleine Stück Erde gibt. Es tut einfach gut zu wissen, dass es da ist und mir Kraft gibt, wenn mich Übergänge im Leben herausfordern.

Wenn du das Element kennst, dass dich am meisten stärkt, kannst du ab jetzt deine Aufmerksamkeit besonders darauf richten. Nütze Gelegenheiten, dich mit Erde, Wasser, Feuer oder Luft zu verbinden! Lies dir dazu die Impulse von mir in den jeweiligen Abschnitten nochmal durch. Trau dich selbst, deiner inneren Stimme zu folgen und finde eigene Wege, die dir Kraft geben auf deinem Weg des Übergangs!

 

Nutze die Kraft des Elements, das du ablehnst!

Sicher bist du jetzt verwundert, wenn ich dich bitte, auch das Element zu wählen, mit dem du eher Schwierigkeiten hast. Natürlich macht es Sinn, die Aufmerksamkeit besonders auf dein „Lieblings-Element“ zu richten. Tatsächlich verbirgt sich aber eine besondere Kraft in dem Element, das du nicht so sehr magst oder vor dem du sogar „Angst“ hast oder Ablehnung verspürst.

Bei mir ist es der Wind. Ich mag es gar nicht, wenn er alles durcheinanderwirbelt und Unordnung und Chaos hinterlässt. Schnell schmerzen meine Ohren oder brennen meine Augen, wenn ich bei Wind draußen unterwegs bin. Und trotzdem habe ich begonnen, mich seiner Energie zu öffnen. Denn hier finde ich etwas, was ich weder bei Erde, noch bei Wasser oder Feuer bekomme: Es ist die Leichtigkeit und Beweglichkeit.

Dinge nicht so schwer nehmen, Neues ausprobieren und herausfinden, ob es nicht etwas ist, was mein Leben bereichert. Mit den Schultern zucken, sich umdrehen und wieder gehen, wenn es doch nicht passt. Ohne mich dabei über verlorene Zeit aufzuregen. Beweglich bleiben, offen sein, den „Ernst des Lebens“ auch mal von oben betrachten und dann feststellen, dass dort oben, in der Luft, wo der Wind zu Hause ist, der Horizont sich öffnet. Dorthin, wo ich noch nie war und wo vielleicht etwas auf mich wartet, wenn ich das Alte loslasse und mich auf den Weg mache.

 

Nehmen und Geben: Dein Dank an die geistige Welt

Die Natur und ihre Elemente sind immer um uns. Dies ist für uns in gewisser Weise selbstverständlich und wir denken nicht viel darüber nach. Krisen und Übergänge sind Zeiten, in denen wir gezwungen sind, hinzuschauen. Bei uns selbst und im Außen. Sich daran zu erinnern, dass wir getragen sind, genährt werden, bedingungslos, ist eine Sache. Gleichzeitig ist es notwendig, das Gleichgewicht zu bewahren. 

Jedes Mal, wenn du in Kontakt gehst mit der Welt um dich herum und mit den „geistigen Wesen“, die uns begleiten, bedanke dich für ihre Hilfe. Das kann etwas Tabak sein oder getrocknete Kräuter oder Blumen, die du ablegst an der Stelle. Vielleicht magst du auch etwas Kleines basteln. Ein bewusst ausgesprochenes „Dankeschön“ für die Hilfe ist ebenso eine Möglichkeit. Die Balance im Außen zwischen dir und den Elementen wird auch die Balance in dir wieder herstellen und stärken!

 

Bildquelle: Adobe Stock

 

 

 

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10. September 2019

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