Frau sein

Was wir vom Dokumentarfilm „#Female Pleasure“ über weiblichen Wandel lernen können

„Das bin ich!“ Eigentlich sollte jede Frau diesen Satz so selbstbewusst wie möglich sagen können. Ein Satz, der ausdrückt, dass man sich kennt, seine Gedanken, seine Stärken, seine Schwächen, seinen Körper. Dass man zu sich steht, ganz gleich, welches Geschlecht man hat. Wie schwierig dies gerade für uns Frauen sein kann, beleuchtet Barbara Miller in ihrem Dokumentarfilm #FEMALE PLEASURE.

Anhand der Geschichten von fünf Protagonistinnen zeigt die Regisseurin, auf welche Art und Weise Frauen weltweit diskriminiert werden und welche Folgen dies für deren Selbstverständnis sowie die gesamtgesellschaftliche Wahrnehmung von Frauen hat. Gestreift werden unter anderem religiös begründete Zwangshochzeiten, Missbrauch innerhalb religiöser Vereinigungen, weibliche Genitalverstümmelung, eine gesellschaftlich festgeschriebene Minderwertigkeit von Frauen sowie eine Tabuisierung der weiblichen Geschlechtsorgane. „Das bin ich!“ sagen zu können, erweist sich oft als Herausforderung oder als Ergebnis eines langen, schwierigen Weges. 

Die Schicksale der Frauen in dem Film haben mich tief bewegt, aber sie geben auch Hoffnung, dass Wandel möglich ist. Wir können uns von den Fesseln der Vergangenheit befreien, wenn wir sie bewusst verarbeiten. In diesem Beitrag möchte ich dir erzählen, was der Film in mir persönlich ausgelöst hat und welche vier Schritte wir aus den Schicksalen der Frauen ableiten können, um uns auf den Weg zu einem Wandel hin zu mehr Freiheit und Selbstbestimmung zu machen.

Schritt 1: Am Anfang ist das Bewusstsein

Ich sitze im Kinosessel, während der Abspann läuft und fühle…Weite, Erlaubnis, Freiheit. Gleichzeitig bin ich tief berührt und bewegt von den Geschichten der fünf Frauen, die im Film jede auf ihre Weise Erfahrung mit der Unterdrückung weiblicher Sexualität und Lust gemacht haben und wie sie jetzt damit umgehen bzw. sich einsetzen dafür, dass die Geschichte so nicht weiter fortgeschrieben wird.

Als ich hinaus in die abendlich bewegte Stadt trete, spüre ich immer noch den Nachhall des Films in meinem Körper. 

Im Augenblick, gerade, hat sich etwas geändert. Ich weiß nicht, wie lange ich es festhalten kann, bevor es im Alltag und der Gewohnheit verblasst, aber ich weiß, dass heute ein Anfang gemacht wurde. Das ist das Wichtigste: Das Bewusstsein, dass das, was war und das, was ich eigentlich will, nicht übereinstimmen. Dass in mir Vorstellungen Raum einnehmen, die mich in meinem Selbstausdruck und in meiner Lebensfreude einschränken. Erst, wenn ich weiß, kann ich etwas ändern. Davor liegt es unerkannt in den Tiefen meines Seins und wirkt von dort unbewusst auf mein Handeln und mein Auftreten.

Schritt 2: Im Blick zurück den Schmerz und die Not erlauben

Der zweite Schritt ist, den Gefühlen, die unvermeidlich mit an die Oberfläche kommen, Raum zu geben. Trauer über die Zeit, in der ich all die Teile in mir unterdrückte, die im Sinne der Gesellschaft unpassend und unerwünscht waren. Wut auf diejenigen, die bewusst oder unbewusst mich in meiner Selbstentfaltung als Individuum und als Frau eingeschränkt haben. 

Es ist wichtig, all diese Gefühle zu erlauben, sie auszudrücken, in Worten, in kreativer Form durch Gestalten oder auf eine andere Art und Weise. Nur so werden wir innerlich frei und all die Ladungen an Energie, die sich aufgestaut haben, in jedem Moment, in dem wir gebremst wurden, können sich lösen, zusammen mit dem Schmerz und der Angst, die damit verbunden waren.

Irgendwann ist es gut. Oder sagen wir, es wird leichter. Meiner Erfahrung nach lässt es uns nie ganz los. Sehr eindrucksvoll wird dies sichtbar bei Leyla Hussein, die zweimal in dem Film von ihrem Schmerz übermannt wird, während sie dabei ist, über die Genitalverstümmelung junger Mädchen zu sprechen. Gerade weil sie betroffen ist, berührt sie mit ihrer Arbeit die Menschen. Es ist das Leid, das in uns in Resonanz geht, mit dem eigenen, uns zugefügten Leid und auch ein Gefühl von Schuld, nicht aufgestanden zu sein und einzutreten, wenn andere Frauen unterdrückt, misshandelt oder bedroht wurden.

Schritt 3: Auf neuen Wegen anders handeln

Im dritten Schritt geht es darum, ins Handeln zu kommen. Auszusteigen aus den alten Mustern und neue Wege zu gehen. Auch hier ist der Film beispielhaft, weil wir teilhaben an dem Weg der fünf Frauen, die nicht mehr bereit waren, das alte Spiel mitzuspielen und sich befreit haben aus den Fesseln ihrer Vergangenheit:

Leyla Hussein aus Somalia wird im Alter von 7 Jahren Opfer weiblicher Genitalverstümmelung. Die Frauen aus ihrer Gemeinschaft, auch ihre Mutter, unterstützen diese Praxis, was für sie besonders traumatisierend ist. Heute arbeitet sie als Psychotherapeutin mit überlebenden Frauen und setzt sich international für das Beenden von FGM (Female Genital Mutilation) ein. 

Deborah Feldman, eine Jüdin, die in Brooklyn aufwuchs und im Alter von 17 Jahren zu einer Hochzeit mit einem ihr unbekannten Mann gezwungen wurde, schafft, zusammen mit ihrem Sohn, den Ausbruch aus der ultraorthodoxen jüdischen Gemeinschaft. Sie schreibt ihre Geschichte und veröffentlicht sie unter dem Titel „unorthodox“. 

Doris Wagner, eine ehemalige Nonne, die in Rom in einer erzkonservativen katholischen Gemeinschaft mehrfach von einem höher gestellten Pater vergewaltigt wird, erlebt, dass ihr allein aufgrund ihres Geschlechts die Mitschuld an dem Missbrauch gegeben wird. Der Fall wird nicht aufgearbeitet. Sie tritt aus dem Orden aus und lebt heute zusammen mit ihrem Mann und ihrem Sohn. Auch sie hat ihre Erlebnisse in einem Buch verarbeitet.

Vithika Yadav klagt öffentlich die (Massen-)Vergewaltigungen von Frauen in Indien an, die lange für die Täter ohne Konsequenzen blieben. Sie gründet die Online-Aufklärungsplattform „Love Matters“, in der sie über weibliche und männliche Sexualität aufklärt und sich für gleichberechtigte, liebevolle Beziehungen einsetzt, da eine Liebeshochzeit in Indien kaum eine Rolle spielt.

Rokudenashiko, eine japanische Manga-Künstlerin, verarbeitet die Missstände in ihrem Land in Cartoons und wird nach dem Abdruck ihrer Vulva und deren 3D Vermarktung wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses angeklagt. Mit ihrer Vulva-Kunst wehrt sie sich gegen die tabuisierte Darstellung von weiblichen Geschlechtsorganen.

Schritt 4: „Das bin ich!“ – Mach dich auf den Weg!

Die Geschichten der fünf Frauen erschüttern und bewegen, aber sie geben auch Hoffnung. Die Hoffnung, dass Wandel möglich ist. Jede dieser Frauen kann Vorbild sein für uns, für dich und für mich. Wir müssen nicht gleich ein Buch schreiben oder in der Öffentlichkeit aktiv werden und deine Geschichte ist hoffentlich nicht derart dramatisch und traumatisierend. Doch es gibt kaum eine Frau in unserer heutigen Zeit, die frei ist im Ausdruck ihrer Sexualität und ihrer Weiblichkeit. Daher ist es wichtig, dass du dich mit diesem Thema auseinandersetzt:

  • Werde dir deiner Wunden, deiner unterdrückten Lebensfreude bewusst! 
  • Erlaube, dass deine Vergangenheit sichtbar wird und nimm dir Zeit und Raum für die Verarbeitung!
  • Hol dir Hilfe, wenn du spürst, dass es dir zu viel wird und du allein damit nicht klar kommst. 

Und dann geh deinen Weg. 

Fang an, dich zu erlauben. Halte inne, wenn du innerlich Widerstand spürst. Atme und sprich aus, was deine Wahrheit ist. Verbinde dich mit anderen Frauen, tauscht euch aus über eure Erfahrungen und unterstützt euch gegenseitig. Gemeinsam sind wir doppelt stark und tragen uns durch die Veränderung!

Ich bin gerne für dich da auf deinem Weg zu deiner einzigartigen Lust und Lebensfreude! Unterdrückung und Scham war gestern: Liebe, wie es dir gefällt! 

Female Pleasure
Filmplakat: #Female Pleasure (Quelle: X-Verleih)

Bildquelle: Unsplash

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